Stellungnahme der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung Haina zum Thema „Schließung der Sparkassen-Filiale im Ortsteil

Veröffentlicht am 28.02.2018 in Allgemein

Sparkasse Haina

Die Entscheidung des Sparkassenvorstandes der Sparkasse Waldeck-Frankenberg, die Filiale
im Ortsteil Haina vollständig zu schließen und auch nicht als Selbstbedienungsfiliale mit
Bankautomat zu erhalten, wird seitens der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung Haina
scharf kritisiert.

Leider wird durch diesen geplanten Schritt den Menschen, die für uns politisch
Verantwortliche noch immer im Mittelpunkt unseres Handels stehen, ein wichtiger Faktor
ihrer Lebensqualität genommen. Wie bereits den HNA-Berichten der vergangenen Tage zu
entnehmen war, gibt es für viele - insbesondere ältere Menschen - nach Schließung der Filiale
keine Möglichkeit mehr, ohne die Hilfe ihrer Mitmenschen Bargeld zu beziehen. Eine
Situation, die so für uns nicht tragbar ist.
Die Sparkasse Waldeck-Frankenberg wirbt seit Jahren mit dem Slogan „Der Mensch im
Mittelpunkt – immer und überall“. Ganz offensichtlich hat dieser Grundsatz jedoch bei der
Entscheidung zur Neuorientierung der Sparkassenorganisation keine Rolle gespielt.
Die Entscheidungsträger des Sparkassenvorstandes haben ihrer Entscheidung sicher
wirtschaftliche Überlegungen zu Grunde gelegt. Das ist ihr gutes Recht, ja sogar ihre Pflicht.
Aber es ist nicht ihre einzige Pflicht! Hier wurden nach unserem Dafürhalten mehrere weitere
Aspekte ignoriert oder zumindest unbedacht weit hintan gestellt:
Sparkassen dürfen alle Bankgeschäfte mit allen Kundengruppen betreiben und gehören
deshalb zu den Universalbanken. Außerdem zeichnet sie ihr Filialnetz aus, das sie zu
Filialbanken macht. Die Komposition des Wortes Sparkasse ist historischen Ursprungs und
deutet auf ihre ursprüngliche Aufgabe hin, Spareinlagen durch Bareinzahlung in die Kasse
entgegenzunehmen. Was Sparkassen von anderen Banken unterscheidet, sind die
Trägerschaft durch eine Gebietskörperschaft, ihr auf den Bezirk der Gebietskörperschaft
beschränktes Geschäftsgebiet und das Gemeinnützigkeitsprinzip. (aus Wikipedia)
War sich der Sparkassenvorstand bei seiner Entscheidung auch der hier zitierten
gesellschaftlichen Verantwortung bewusst? Man muss hoffen, dass nicht, denn im Wissen um
die Geschichte des eigenen Institutes darf man eine Entscheidung, wie sie jetzt für Haina –
und etwas abgeschwächt, oder muss man sagen zeitverzögert? – für etliche weitere Orte im
Landkreis getroffen wurde, nicht treffen!
Mit Menschen. Für Menschen. – So lautet das Leitbild. Wo bleibt bei der Entscheidung das
Miteinander von Mensch und kommunalem Kreditinstitut? Wo bleiben die Leistungen für den
einzelnen Menschen, wo für die betroffenen Menschen in der Region?
Und schließlich: welche Geschäftspolitik soll zukünftig eigentlich ein Unternehmen wie die
Sparkasse Waldeck-Frankenberg tragen, das, weil Kreditinstitut, zu aller erst von Seriosität
lebt? Davon, dass man die, die man vor vielen Jahren an sich gebunden hat, mit den aktuellen
Schließungsplänen verprellt? Davon, dass die, die nun alt geworden ihre Werte nicht mehr in
der riesigen Schließfachanlage der Hainaer Filiale gesichert ablegen können? Von den
Menschen, denen man Zinsen und Kreditsicherheit, Versicherungen und weiteres versprochen
und verkauft hat, und die man jetzt ohne Berater vor Ort, ohne Möglichkeiten zur Bargeldeinund
-auszahlung, ohne Kontoauszugdrucker und Überweisungsleser zurück lässt?
Und wirbt die Sparkasse nicht um junge Kunden? Man beachte nur den Trailer im
Internetauftritt – so man denn hierauf Zugriff hat, was manchen aus Alters-, anderen aus
technischen Gründen leider viel zu oft verwehrt ist. Wo sollen die Neukunden denn
herkommen? Wenn sie heute prüfen, wo sie ihr erstes Konto eröffnen, dann werden sie beidem Geschäftsgebahren, dass mit dem Rückzug aus der Fläche gerade offenbar wird, ganz
sicher nicht die Sparkasse Waldeck-Frankenberg wählen oder wenn dies geschehen, dieser
ganz schnell den Rücken kehren!
Eine langfristig angelegte, erfolgreiche Betriebsführung sieht anders aus. Sie stützt sich
definitiv nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung durch gerade erst wieder vollzogene
Gebührenerhöhungen und aktuell geplante Ausgabenminimierung durch massive Reduzierung
des Filialnetzes.
Unsere Kritik ist im Übrigen nicht nur an die Geschäftsleitung, sondern auch an den
Verwaltungsrat der Sparkasse Waldeck-Frankenberg gerichtet. Dort sitzen ausschließlich
Vertreter, die in der Vergangenheit gesellschaftliche Verantwortung getragen haben oder dies
in verschiedenen Funktionsstellen noch immer tun. Gerade diesem Gremium sollten doch die
ohnehin bereits vorhandenen Probleme der strukturschwachen Regionen bekannt und bewusst
sein. Mit der Entscheidung zur vollständigen Schließung der Filiale in Haina wird die
Infrastruktur in unserer Gemeinde erneut und vor allem nachhaltig geschwächt.
Um dies noch zu verhindern, fordern wir die Sparkasse Waldeck-Frankenberg auf, ihrer
gesellschaftlichen Verantwortung insbesondere auch für strukturschwache Regionen gerecht
zu werden und die von ihr getroffene Entscheidung zu überdenken.
Aus unserer Sicht würde die Erhaltung einer Selbstbedienungsfiliale mit Bankautomat im
Ortsteil Haina den Bedürfnissen der Menschen unserer Gemeinde entsprechen und sich bei
entsprechender Würdigung aller o.g. Aspekte sicherlich auch von Seiten der Sparkasse
Waldeck-Frankenberg begründen lassen.
Siegfried Ruppel Roland Freese
(Fraktionsvorsitzender) (Stellv. Fraktionsvorsitzender)
Willi Schäfer
(Fraktionsmitglied und Vorsitzender
der Gemeindevertretung)
Alexander Köhler
(zukünftiger Bürgermeister)

 

 

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